Psychische Stresspotentiale
erkennen und vermeiden.  

31.07.2019 - Artikel von Peter Tremmel (Menschen & Wirtschaft)
Stress hat auch im Berufsleben unterschiedliche Gesichter und Wirkungen. Er kann unsere Gesundheit schädigen. Hierfür wird in der Öffentlichkeit gerne als Sündenbock für Stress am Arbeitsplatz das gelegentliche Ausmaß an unfreiwilligen Überstunden betont, was eigentlich nur bei vorrangig körperlich Berufstätigen zu erwarten wäre. Es gibt aber auch psychisch bedingte Stresspotentiale, die sich schon im normalen Tagesgeschäft ausbreiten. Unabhängig von der Art des Arbeitsplatzes stellen diese ein weitaus größeres Potential für geistige und soziale Stressbelastungen dar.

Die zunehmend erkennbar werdenden Stresspotentiale erwachsen aus persönlich, privat oder beruflich bedingten psychischen Belastungen, denen wir im beruflichen Leben zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Dazu gehören nicht nur Mobbing oder andere bekannte soziale Einflussnahmen bzw. Übergriffe, die das soziale Empfinden im Betrieb stören können. Es geht hier vor allem um oft unerkannte psychisch bedingte Stresspotentiale
bei angestellten wie führenden Fachkräften, die aufgrund einer andauernden Überbeanspruchung der jeweils vorhandenen fachlichen oder persönlichen Kompetenzen erwachsen und gesundheitsschädlich wirken. Sofern im bestehenden Personal ein derartiges Belastungspotential zu erkennen ist, kann nur empfohlen werden, deren Ursachen baldmöglichst zu ergründen, um im Rahmen interner Personalentwicklung innerhalb des Unternehmens eine baldige Korrektur zu veranlassen.

Hinter jedem Akt einer Personalentwicklung – auch bei einer Ersteinstellung – steht immer die Absicht der einen solchen Akt entscheidenden Führungskraft, für eine bestimmte führende oder ausführende Aufgabenstellung einen dafür optimal geeigneten Menschen auszuwählen, dessen fachliche und persönliche Fähigkeiten sowohl den fachlichen wie auch den persönlichen Anforderungen der jeweils zu besetzenden Funktion – zumindest mittel- bis längerfristig – gerecht werden kann. Diese Realisierung dieser Absicht entspricht einer Herkules-Leistung, die eine verantwortungsbewusste Führungskraft – gleich auf welcher Ebene – niemals aus der Hüfte schultern sollte.

Eine hinreichend erfolgversprechende Personalentscheidung zur Besetzung einer Funktion erfordert zunächst
eine interne und möglichst verständliche Beschreibung der konkreten fachlichen und persönlichen Anforderungen dieser Funktion, eine interne bzw. externe zielführende Ausschreibung der auszuführenden Haupttätigkeiten und der dazu erforderlichen Ausbildung, eine in ihrer Aussagekraft nicht zu unterschätzende möglichst neutrale Bewertung der persönlichen und fachlichen Kompetenzen der betroffenen Person, eine Prüfung möglicher Stresspotentiale durch Vergleich der bekannten Anforderungen mit den einzelnen Kompetenzen der betroffenen Person, sowie letztlich die ausdrückliche Zustimmung der dieser Funktion direkt übergeordneten Führungskraft.

Je gründlicher und gewissenhafter die Besetzung einer führenden oder ausführenden Funktion entschieden wird,
desto wahrscheinlicher ist die frühzeitige Erkennung potentieller Schwächen und zu vermeidender Stresspotentiale der betroffenen Person für den Fall einer später notwendig erscheinenden Änderung ihrer Aufgabenstellung im Unternehmen. (pht)    


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